Berichte aus der Kolpingsfamilie
Kolpingsfamilie Glonn
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Osterkerzen für Čapljina
Der Erlös der Osterkerzenaktion 2002 geht an das Flüchtlingslager in Čapljina, Bosnien.
Čapljina ist liegt ca. 60 km südlich von Mostar, nahe der Grenze zwischen Bosnien und Kroatien. Der Ort selbst liegt am Ende eines schmalen Tales, das nur durch schlecht ausgebaute Serpentinenstraßen erreicht werden kann. Hier gibt es – wie in vielen Gebieten von Bosnien – kaum Industrie und keinen Tourismus. Das Tal selbst bietet keine Rohstoffe, man befindet sich ein einer für Bosnien typischen steinigen und sehr kargen Landschaft. Eine Hügellandschaft ohne fruchtbaren Boden, ohne grüne Wiesen und Wälder, dafür fast nur Gestrüpp und Steine.
Obwohl das Kriegsende im ehemaligen Jugoslawien Jahre zurückliegt, trifft man auf dem Weg nach Čapljina immer noch auf viele zerstörte Häuser: Einschussstellen von Maschinengewehren, abgebrannte Dächer, Steinhaufen als Überreste von Häusern, die direkt von Bomben getroffen wurden. Manche Dörfer und Weiler im Landesinneren wirken wie ausgestorben. Viele Häuser werden wohl in diesem Zustand bleiben, weil die Menschen – v.a. viele Männer – gestorben sind, das Geld zum Wiederaufbau fehlt, oder die Häuser immer noch besetzt oder beschlagnahmt sind.
Im Flüchtlingslager in Čapljina leben 500 Menschen, die durch den Krieg im ehemaligen Jugoslawien ihre Heimat verloren haben. Die Familien leben hier in kleinen und provisorisch "Hütten", die mich an einen Baucontainer erinnern und die sich auf dem Kiesplatz dicht nebeneinander reihen. Viele haben versucht, durch selbstgebastelte Gerüste und Planen den begrenzten Platz zu vergrößern. Es gibt eine zentrale Küche für alle.
Als wir dort aus dem Bus aussteigen, kommen die ersten Kinder gelaufen, sie freuen sich. Die Gesichter vieler Frauen im Lager sind vom Krieg gezeichnet – verhärtet und irgendwie ausdruckslos, um Jahre gealtert. Ein komisches Gefühl beschleicht mich, als ich den für die Temperaturen zu leicht bekleideten Frauen und Kindern gegenüberstehe. Ein Junge spricht mich an. Er kann fließend deutsch und erzählt, dass er 5 Jahre bei uns in Deutschland gelebt hat und dann hierher zurück musste. Mir fällt ein, wie leichtfertig man bei uns sagt, dass "die" doch einfach wieder heimgehen sollen...
Die Menschen und die Umstände im Lager in Čapljina hinterlassen bei mir einen bleibenden Eindruck. Und irgendwie bin ich richtig froh, dass wir den Menschen mit dem Erlös unseres Osterkerzenverkaufes in Höhe von 500 € und mit weiteren 200 € Spenden helfen können...

Für 700 € können in Čapljina 500 Menschen eine Woche essen!


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